Der römische Burgus bei Burgsalach

Ein Bauwerk aus der Spätzeit des Limes, das einmalig in Europa und sonst nur noch in Nordafrika zu finden ist, ist der Burgus.

Der quadratische Bau von rund 32,60 m Seitenlänge, dessen Innenfluchten der Außenmauern genau 100 römische Fuß lang ist, erweist sich durch seine Übereinstimmung mit den Mittelgebäuden der Limeskastelle als militärische Anlage und wird als Centenarium, die Kaserne einer Hundertschaft, angesehen. Die Torwangen des Eingangs sind halbrund eingezogen, kleine Räume reihen sich entlang der Außenmauern und öffnen sich über eine gedeckte Halle auf einen Innenhof; dem Eingang gegenüber liegt das apsidenförmige Fahnenheiligtum. Die topographische Situation am Knick der wichtigen Limesstraße zwischen den Kastellen Weißenburg und Pfünz legt es nahe, in ihm eher eine Station der Straßenpolizei (Benefiziarier) zu sehen, als ihn in eine Reihe mit den obengenannten Feldwachen zur Grenzverteidigung direkt am Limes zu stellen.

Der Bau hatte nur kurze Zeit bestanden bis das Land nördlich der Donau geräumt, der Limes damit aufgegeben war und die Römer sich wie der - wie zu Beginn ihrer Eroberungspolitik - auf die Flußgrenzen von Rhein und Iller/Donau zurückziehen mußten.

Der Grundriß des römischen Burgus in der "Harlach" bei Burgsalach zeigt, daß der geschlossene Bau nur einen großzügig gestalteten Eingang mit einem weiten, halbkreisförmigen Vorhof hatte. die Torgasse, über der sich ein Turm erhob, konnte an beiden Enden mit Toren geschlossen werden, deren Schwellbalkenspuren sich noch vorfanden.

Im Innern befindet sich ein kleiner Lichthof mit Durchgängen in dessen Ecken Zisternen lagen. Um ihn lief ein mit Ziegeln gedeckter Umgang. Er ruhte innen auf den Holzsäulen des Lichthofes, zwischen denen ein halbhohes Mäuerchen geführt war.

Die einzelnen Räume schließen auf allen Seiten direkt an die Außenmauern an. Gegenüber dem Eingang das Fahnenheiligtum mit kleinen Nebenräumen, die der Verwaltung gedient haben dürften. In der Südwestecke ein großer Raum, der als Waffenmagazin angesprochen werden muß. In der Südostecke ein großer Raum mit Keller, hinter dem durch Fachwerkwände abgeteilt und durch einen Gang erreichbar, ein sorgfältig ausgestatteter Wohnraum und der als Küche bezeichnete Raum liegen. Dieser gesamte Bereich war wahrscheinlich die Wohnung des Kommandanten. Die Räume für die Mannschaften, wieder mit Zwischenwänden aus Fachwerk, waren jeweils rund 20 Quadratmeter groß und enthielten einen aus Lehm aufgemauerten Herd.

Mit Ausnahme von drei Räumen in Nordwesten und Nordosten, deren Türen auf Gänge mündeten, öffnen sie sich in den Umgang um den Lichthof. In diesen Gängen müßten sich, wie auch in dem kleinen Raum westlich neben dem Eingang, die Treppen befunden haben, über die man auf den Wehrgang gelangte.

Die Einmaligkeit dieses "Burgus" bei Burgsalach dürfte darauf zurückzuführen sein, daß ein höherer Beamter oder der "procurator Raetiae" diese neuesten Bauten in Afrika nach Europa hier in die "Harlach" bei Burgsalach übertrug.